Ein Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung – eine zentrale Anlaufstelle für Bürger und Verwaltung


Im Rahmen des Bürger:innenrats in Moers wurden zahlreiche Ideen und Empfehlungen erarbeitet, wie Bürgerbeteiligung in Zukunft transparenter, verständlicher und verbindlicher gestaltet werden kann. Eines der Projekte, das innerhalb des Bürger:innenrats auf besonders großes Interesse gestoßen ist, war die Idee eines „Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung“.


Bereits während der Arbeitsphase zeigte sich, wie wichtig dieses Thema vielen Teilnehmenden war. Im sogenannten Open Space des Bürger:innenrats bildete sich dazu eine besonders große Arbeitsgruppe. Die Diskussionen waren intensiv, vielfältig und geprägt von sehr unterschiedlichen Perspektiven. Gleichzeitig wurde dabei auch deutlich, wie anspruchsvoll demokratische Verständigungsprozesse sein können. Unterschiedliche Interessen, Ideen und Erwartungen zusammenzuführen, braucht Zeit, Struktur und gegenseitigen Respekt.


Genau daraus entstand die Überzeugung, dass Moers eine dauerhafte und sichtbare Anlaufstelle für Bürgerbeteiligung braucht.


Was soll das Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung leisten?

Das Büro soll als zentrale Schnittstelle zwischen Bürgerschaft und Verwaltung fungieren. Ziel ist es, Beteiligung verständlicher, zugänglicher und strukturierter zu organisieren.

Für die Verwaltung könnte das Büro eine koordinierende und beratende Funktion übernehmen. Wenn bei einem Projekt oder einer Fragestellung Bürgerbeteiligung vorgesehen oder sinnvoll ist, könnte die Verwaltung auf das Büro zurückgreifen. Dort könnten geeignete Beteiligungsformate ausgewählt und organisiert werden.

Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um klassische Bürgerversammlungen.


Denkbar wären unter anderem:

  • Themenwerkstätten,
  • Ideensammlungen,
  • Runde Tische,
  • offene Gesprächsformate,
  • digitale Beteiligungsangebote,
  • oder kleinere dialogorientierte Veranstaltungen vor Ort.


Das Büro würde dabei helfen, für unterschiedliche Fragestellungen die passende Beteiligungsmethode auszuwählen.


Eine sichtbare Anlaufstelle für Bürger

Gleichzeitig soll das Büro auch aus Sicht der Bürger eine niedrigschwellige und dauerhafte Anlaufstelle sein.


Viele Menschen wissen häufig nicht:

  • an wen sie sich wenden können,
  • welche Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung bestehen,
  • oder welche Beteiligungsmöglichkeiten es bereits gibt.


Das Büro könnte deshalb Anliegen, Hinweise, Kritik oder Ideen entgegennehmen und diese an die jeweils zuständigen Stellen innerhalb der Verwaltung weiterleiten.

Wichtig ist dabei vor allem die dauerhafte Sichtbarkeit und Erreichbarkeit. Bürger sollen das Gefühl haben, dass ihre Anliegen gehört werden und es einen konkreten Ort für Beteiligung gibt.


Vorgeschlagen wurden unter anderem:

  • ein Standort im Rathaus,
  • Räumlichkeiten im Bereich der Innenstadt,
  • das Alte Landratsamt,
  • ein Büro im Umfeld der Stadtinformation,
  • oder auch mobile Beteiligungsangebote.


Regelmäßiger Austausch statt einmaliger Beteiligung

Die Teilnehmenden des Bürger:innenrats schlagen außerdem vor, dass das Büro regelmäßige Austauschformate organisiert.


Dazu könnten gehören:


  • offene Sprechstunden,
  • moderierte Runde Tische,
  • Informationsveranstaltungen,
  • oder thematische Dialogabende zu aktuellen Projekten und Entwicklungen in der Stadt.


Dadurch könnte Beteiligung langfristig stärker als dauerhafter Dialog verstanden werden – und nicht nur als punktuelle Reaktion auf Konflikte oder Einzelprojekte.


Vorteile für Bürger und Verwaltung

Die dauerhafte Einrichtung eines Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung könnte aus Sicht des Bürger:innenrats mehrere Vorteile mit sich bringen.


Dazu gehören:

  • eine bessere Erreichbarkeit für Bürger,
  • frühzeitigere Beteiligung bei Projekten,
  • mehr Transparenz,
  • eine strukturiertere Kommunikation,
  • die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven,
  • sowie die Möglichkeit, Konflikte frühzeitig zu erkennen und Missverständnisse zu vermeiden.

 

Darüber hinaus kann eine frühzeitige Beteiligung auch dazu beitragen, Planungsfehler zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten.


Verbindung zur Fachstelle Demokratie

Im Bürger:innenrat wurde außerdem empfohlen, die bestehende Fachstelle Demokratie der Stadt um den Bereich Bürgerbeteiligung zu erweitern.


Dadurch könnten:

  • bestehende Strukturen genutzt,
  • Erfahrungen gebündelt,
  • und Beteiligungsprozesse dauerhaft organisatorisch verankert werden.


Als mögliche Unterstützung wurde zudem das Förderprogramm „Demokratie leben!“ genannt.


Beteiligung als dauerhafte Aufgabe

Die Idee eines Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung versteht sich nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als langfristiger Beitrag zu einer transparenten und konstruktiven Beteiligungskultur in Moers.

Das Ziel ist eine Stadt, in der Bürgerbeteiligung nicht nur punktuell stattfindet, sondern dauerhaft sichtbar, verständlich und erreichbar organisiert wird.



Quellen: Gutachten „Gemeinsam Beteiligung gestalten“, Bürger:innenrat Moers; öffentliche Stadtratsrede von Dr. Kathrin Kiel (13.05.2026), ehemalige Teilnehmerin des Bürger:innenrates Moers.