
Zukunftshaushalt für Moers: Jugendliche entscheiden über Projekte für ihre Stadt
Im Rahmen des Bürger:innenrats wurde intensiv darüber diskutiert, wie Bürgerbeteiligung in Moers künftig stärker sichtbar und wirksamer gestaltet werden kann. Eine der konkreten Empfehlungen war die Einführung eines Bürgerbudgets beziehungsweise eines sogenannten Zukunftshaushalts.
Dabei geht es um die grundsätzliche Idee, Bürger stärker an der Verwendung öffentlicher Mittel zu beteiligen und ihnen die Möglichkeit zu geben, eigene Ideen für die Stadtentwicklung einzubringen.
Gleichzeitig wurde in den Beratungen aber auch deutlich, dass die aktuelle Haushaltslage der Stadt Moers große Herausforderungen mit sich bringt. Angesichts eines erheblichen Haushaltsdefizits erscheint ein umfangreiches Bürgerbudget mit hohen finanziellen Summen derzeit nur schwer realisierbar.
Deshalb entstand die Idee, zunächst kleiner und realistischer zu beginnen – mit einem Zukunftshaushalt als Pilotprojekt für Jugendliche.
Beteiligung praktisch erlebbar machen
Der Zukunftshaushalt orientiert sich an bestehenden Modellen anderer Städte, insbesondere am Zukunftshaushalt der Stadt Werder (Havel).
Die Grundidee:
Alle Bürger können Projektideen für ihre Stadt einreichen. Über die konkrete Auswahl entscheiden anschließend Kinder und Jugendliche selbst.
Dadurch soll Beteiligung nicht nur theoretisch erklärt, sondern praktisch erlebbar gemacht werden. Jugendliche sollen erleben, dass ihre Entscheidungen sichtbare Auswirkungen auf ihre Stadt haben können.
Wie könnte ein Zukunftshaushalt in Moers aussehen?
Vorgeschlagen wurde ein zunächst bewusst kleiner Pilotversuch mit zwei Schulen in Moers – beispielsweise einem Gymnasium und einer Gesamtschule.
Der Ablauf könnte dabei in mehreren Phasen organisiert werden:
1. Ideen sammeln
Zunächst können Bürger aus ganz Moers Projektideen einreichen. Dabei soll es ausdrücklich keine Rolle spielen, wie alt jemand ist oder aus welchem Stadtteil die Idee kommt.
Gesammelt werden könnten beispielsweise Vorschläge für:
- Freizeitangebote,
- Aufenthaltsorte,
- kleinere Verschönerungsmaßnahmen,
- Umweltprojekte,
- Sport- oder Begegnungsangebote,
- oder Projekte zur Verbesserung des Schulumfelds.
Die Beteiligung soll sowohl analog als auch digital möglich sein.
2. Prüfung der Vorschläge
Im nächsten Schritt prüft die Verwaltung die eingereichten Ideen auf:
- Umsetzbarkeit,
- Kosten,
- Zuständigkeiten,
- und rechtliche Rahmenbedingungen.
Dadurch soll verhindert werden, dass Projekte zur Abstimmung gestellt werden, die später nicht umgesetzt werden können.
3. Beteiligung der Schulen
Anschließend beginnt die eigentliche Beteiligungsphase.
Teams besuchen die teilnehmenden Schulen und stellen den Zukunftshaushalt vor. Gemeinsam mit Lehrkräften und Lernenden werden die vorgeschlagenen Projekte diskutiert und verständlich aufbereitet.
Die Jugendlichen entscheiden anschließend selbst darüber, welche Projekte umgesetzt werden sollen.
Damit entsteht ein echter demokratischer Entscheidungsprozess innerhalb der Schulen.
4. Umsetzung der Projekte
Die ausgewählten Projekte sollen anschließend konkret umgesetzt werden.
Besonders wichtig war den Teilnehmenden des Bürger:innenrats dabei:
Beteiligung darf nicht folgenlos bleiben. Wenn Jugendliche abstimmen, muss am Ende auch sichtbar werden, dass ihre Entscheidungen ernst genommen werden.
Nach Abschluss und Realisierung der Projekte sollen die Ergebnisse öffentlich vorgestellt werden.
Ein realistischer Einstieg statt großer Versprechen
Der vorgeschlagene Zukunftshaushalt versteht sich bewusst nicht als großes „Millionenprojekt“.
Vielmehr geht es um einen überschaubaren und realistischen Einstieg in praktische Beteiligung. Diskutiert wurde ein kleines Budget im Bereich von etwa 15.000 bis 50.000 Euro für einen ersten Pilotversuch.
Ein Teil der Finanzierung könnte dabei möglicherweise über Förderprogramme wie „Demokratie leben!“ unterstützt werden.
Rolle des Vereins „Wir für Moers – Wir für uns“
Der Verein „Wir für Moers – Wir für uns“, der sich aus dem Bürger:innenrat heraus gegründet hat, möchte die praktische Umsetzung eines solchen Pilotprojekts aktiv begleiten und mitgestalten.
Der Verein versteht sich dabei nicht als politischer Entscheider, sondern als moderierende und unterstützende Struktur zwischen Schulen, Verwaltung, Politik und Bürgerschaft.
Konkret könnte der Verein:
- Schulen ansprechen und vernetzen,
- Informationsveranstaltungen organisieren,
- Beteiligungsprozesse begleiten,
- Jugendliche bei der Entwicklung und Diskussion von Ideen unterstützen,
- die Kommunikation zwischen den Beteiligten fördern,
- sowie die öffentliche Dokumentation des Projektes übernehmen.
Ziel ist es, demokratische Beteiligung nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern konkret erlebbar zu machen.
Gerade weil der Verein unmittelbar aus dem Bürger:innenrat hervorgegangen ist, sieht er sich in einer besonderen Verantwortung, die dort entwickelten Ideen weiterzutragen und in konkrete Projekte für Moers zu überführen.
Warum ein Zukunftshaushalt sinnvoll sein kann
Die Teilnehmenden des Bürger:innenrats sehen im Zukunftshaushalt mehrere Vorteile:
- Jugendliche werden frühzeitig an demokratische Prozesse herangeführt,
- Beteiligung wird konkret erlebbar,
- Bürger können eigene Ideen einbringen,
- die Selbstwirksamkeit junger Menschen wird gestärkt,
- und lokale Demokratie wird praktisch vermittelt.
Gleichzeitig kann ein solcher Prozess dazu beitragen, neue Perspektiven und Ideen für die Stadt sichtbar zu machen.
Der Zukunftshaushalt soll deshalb nicht nur ein Beteiligungsprojekt sein, sondern ein erster Schritt hin zu einer langfristig stärkeren Beteiligungskultur in Moers.
Quellen: Gutachten „Gemeinsam Beteiligung gestalten“, Bürger:innenrat Moers; öffentliche Stadtratsrede von Steven Range (13.05.2026), ehemaliger Teilnehmer des Bürger:innenrates Moers und Vorstandsmitglied des Vereins „Wir für Moers – Wir für uns“
